Okulare und ein paar Gedanken dazu.

Neben dem Teleskop sind die verwendeten Okulare von größter Bedeutung für die visuelle Beobachtung. Im Netz finden sich viele Seiten, die sich diesem Thema widmen.
Es werden um die perfekten Okulare regelrechte Glaubenskriege geführt. Der ein hält das Zeiss xy Ortho für den Stein der Weisen, der nächste schwört auf die Ethos Okulare von Televue. Man kann trefflich darüber streiten.

Eine pauschale Empfehlung welche Okulare man verwendet kann man nicht geben.
Die Wahl hängt von vielen Faktoren ab. Ich möchte mich hier auf die Kriterie beschränken, die vor allem für Dobson Teleskope zu beachten sind.
Ein Dobson verfügt in der Regel nicht über eine Nachführung, sondern wird von Hand nachgeführt. Das hat den kleinen Nachteil, dass ein Objekt nicht ständig im Gesichtsfeld bleibt. Ein zu kleines Gesichtsfeld, vor allem bei höherer Vergrößerung erschwert die Beobachtung. Größere Gesichtsfelder erlauben eine längere Beobachtung ohne das Teleskop zu berühren.

Der wichtigste Aspekt bei der Wahl eines Okular ist man immer noch die eigene Wahrnehmung. Ich habe im Laufe vieler Jahre praktischer Beobachtung schon zahlreiche Okulare verwendet.
Die wichtigste Erkenntniss ist, dass im Grunde drei Okulare für 90% der Beobachtungen völlig ausreichen. Für spezielle Fälle kann noch das ein oder andere Okular dazukommen. Diese werden aber sehr selten verwendet.

Welche Okulare brauche ich also wirklich?
Sehr häufig zum Einsatz kommt ein Aufsuchokular. Dieses liefert eine Austrittspupille, die in etwa so groß ist, wie die maximale Eintrittspupille des dunkel adaptieren Auge und liegt bei ca. 6-7mm.
Bei Dobsons mit einem Öffnungsverhältnis von f/4-f/6 landet man bei 28-32mm Brennweite.
Hiermit läßt sich die Umgebung des gesuchten Objekt meist recht schnell finden und es ist geeignet große Objekte wie Supernovareste (zb. Cirrusnebel) oder auch große Gasnebel wie Nordamerika Nebel oder der Orionnebel.

Die nächste Stufe ist meist schon „das Arbeitspferd“, also das Okular welches sehr häufig zum Einsatz kommt. Die Brennweite liegt etwas auf der Hälfte des Aufsuchokular, also zwischen 13 und 16mm.
Ich habe für diesen Zweck ein 14mm in meinem Koffer. Objekte sind vor allem Galaxien, planetarische Nebel, offene Sternhaufen und Kugelsternhaufen. Also der größte Teil der Ziele.

Die nächste Stufe ist bei mir ein 5mm. Dieses kommt schon nicht mehr so häufig zum Einsatz, wenn, dann an Galaxien, PNs und Kugelhaufen. Gerne auch am Planeten, wenn das Seeing es zulässt. Am 12″ häufiger als am 18″.

Für höchste Vergrößerung habe ich noch ein 3mm und ein 2,5mm dabei.
Letzteres zum Sterntest und für kleine, helle planetarische Nebel.

Worauf kommt es weiter bei einem Okular an?
Sehr wichtig sind für mich vor allem zwei Dinge, ich brauche zum entspannten Beobachten ausreichend Augenabstand. Ich mag es nicht, in ein Okular reinkriechen zu müssen.
Weiter ein Gesichtsfeld von nicht weniger als 68°. So toll Orthos und gute Plössl auch sein mögen, ich gucke ungern in ein enges Rohr.
Nervig finde ich Okulare (vor allem Erfle und Plössl), bei denen die Gesichtsfeldblende auf Höhe der ersten Linse von unten liegt. Staub, der darauf ist, wird somit immer knackscharf abgebildet und stört.

Weiter sehr wichtig ist für mich eine brauchbare Randabbildung auch mind. an f/5.
Der 18″ ist mit f/4.1 schon kritisch bei den Okularen, trotz Einsatz eines Komakorrektors.
Einfach Okulare zeigen an solchen Teleskopen Astigmatismus, der Sterne am Rand zu Schwalben verformt.
Hochwertige Okulare sind auf diesen Fehler (verursacht durch den stumpfen Strahlenkegel) korrigiert. Das ist aufwendig und kostet leider.
Es lohnt sich sein Geld in hochwertige Okulare zu investieren. Zum einen bilden sie besser ab, sind gut korrigiert und haben vor allem keinen so hohen Wertverlust!
Gute Okulare gehen auch gebraucht immer weg. Meine Okulare stammen, bis auf eines, aus dem Gebrauchtmarkt.

Hier ist eine schöne Übersicht über die gängigsten Okulartypen zu finden.
Eine Weiterre Zusammenstellung und viel Hintergrund findet sich hier beim Astronomieverein aus Wolfenbüttel.